Dienstag, 23. Mai 2017

[Review] Die Kunst des Träumens - Carlos Castaneda

Im Buch 'Die Kunst des Träumens' beschreibt der "Ethnologe" Carlos Castaneda seine Erfahrungen im Reich der bewussten Träume. Der Schamane Don Juan Matus soll ihm eine Technik beschrieben haben, mit der er seine Träume steuern kann.


TL;DR: Versuche, im Traum deine Hände zu finden.


Wenn man mit dieser Intention am Abend schlafen geht und im Traum seine Hände findet, kann man im Traum erkennen, dass man träumt. Diese Methode funktioniert tatsächlich. In bis in die 1990er Jahre war das die bekannteste Induktionstechnik. Von den Klartraumtreffen kenne ich einige Leute, die mit dieser Methode Erfolg hatten. Auch bekannte Autoren wie Robert Waggoner hatten ihre ersten Klarträume auf diese Weise.


Die Technik wurde auch schon in früheren Büchern beschrieben, unter anderem in 'Die Reise nach Ixtlan.


Inhalt des Buches

Castaneda reist also nach Mexico, um von seinem Lehrer Don Juan Matus, einem Schamanen der Yaqui-Indianer weitere Lehren zu empfangen.
Nachdem Castaneda in kürzester Zeit das Klarträumen meistert und auch Träume von fast unglaublicher Länge und Stabilität erlebt, wird er in seinen Träumen von sogenannten Scouts heimgesucht. Anorganische Wesen aus fremden Dimensionen wollen ihn in ebendiese Dimensionen ziehen, so dass er niemals wieder in die Welt zurückkehren kann.
Don Juan weiß von diesen Wesen und wie gefährlich sie sind, lässt seinen Schützling aber doch ziemlich fahrlässig immer weiter in die Traumwelt reisen.


Interessant ist nur, dass kein Klarträumer solche Erlebnisse wiederholen kann. Es klingt alles sehr ausgedacht und konstruiert.


Kontroversen um Castaneda

Im Laufe der Zeit verstrickte sich Castaneda mehr und mehr in Widersprüche und zog den Zweifel der Fachwelt auf sich. Die beschriebenen Lehren  des Don Juan haben mit der tatsächlich gelebten Spiritualität der Yaqui-Indianer kaum Ähnlichkeit und einige der von Don Juan verabreichten Pflanzen kommen in der Sonora-Wüste überhaupt nicht vor.

Fazit

Wer eine Anleitung zum Klarträumen sucht, wird mit Sicherheit enttäuscht werden. Das Buch enthält praktisch keine Übungen zum Klarträumen. Statt dessen bekommt man eine Gruselgeschichte über böse, anorganischen Wesen, die den Träumer ins Traumreich entführen wollen.


Ich finde es sehr schade, dass Castaneda immer noch einen so hohen Bekanntheitsgrad hat. Wenn jemand Fantasyliteratur schreiben möchte, dann kann man das gerne tun. Diese aber als ethnologische Feldforschung auszugeben finde ich in höchstem Maße unethisch. Die Märchen aus dem Buch wirken auf eventuell Klartraumwillige eher abschreckend.


Von mir gibt es einen von zehn Sternen für das Buch als Klartraumliteratur. Als reines Fantasybuch würde ich es sicherlich anders bewerten.

Siehe auch:

Artikel über Carlos Castaneda in der Wikipedia

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen