Donnerstag, 29. März 2012

Klartraum-FAQ III - Ist Klarträumen gefährlich?

Das ist eine gute Frage.

Gefährlich ist natürlich Definitionssache, in gewisser Weise sind natürlich alle möglichen Handlungen gefährlich: Autofahren, Zugfahren, abends in die Disco gehen...
Präziser vielleicht: Was kann Unangenehmes passieren und wie vielen Leuten passiert es tatsächlich?

In der Literatur findet man wenig darüber. Paul Tholey widmet in 'Schöpferisch Träumen' diesem Thema zwei Seiten. Zusammengefasst lässt sich sagen:
  • Sowohl bei seinen Studenten und den Mitgliedern seiner Klartraumgruppen als auch bei den aus der Literatur bekannten klarträumenden Persönlichkeiten  wie etwa Ann Faraday konnte er eher beobachten, dass der seelische Zustand vom Klarträumen profitierte. Die Klarträumer wurden mutiger, kreativer und bekamen interessante Einblicke in ihre Psyche.
  • In der Regel werden Klarträume von besonders angenehmen Gefühlen begleitet. Die Befürchtung, besonders unangenehme Erlebnisse zu haben, konnte nicht bestätigt werden. 
Natürlich können unangenehme Erlebnisse in  klaren wie auch in trüben Träumen auftauchen. Aus eigener Erfahrung ist das Unangenehmste daran, dass man Sachen über sich selbst erfährt, die man nicht hören will.
  • Vor allem spontane Klarträumer erleben den Zustand, zu wissen, dass man gerade träumt,  manchmal als eine Art Eingesperrtsein, was hauptsächlich daran liegt, dass sie in dem Moment nicht wissen, wann und ob sie wieder erwachen werden oder.
Klarträume finden bei den meisten Träumern und vor allem bei Anfängern in der REM-Phase statt. Diese ist zeitlich begrenzt, meistens geht sie zwischen 10 und 30 Minuten und endet entweder mit Aufwachen oder einer erneuten Tiefschlafphase. Also im schlimmsten Fall ist nach einer halben Stunde alles vorbei. Erfahrene Klarträumer haben wahrscheinlich ihre Methoden entwickelt, den Traum wenn nötig zu beenden, wenn sie es denn wollen.
Celia Green schreibt in 'Träume bewusst steuern':
Außerdem sind wir gefragt worden, ob das Risiko 'schlechter Trips' besteht, ähnlich denen, die manchmal von Anhängern psychedelischer Drogen geschildert werden. Auch hier können wir sagen, dass uns kein derartiges Erlebnis bekannt ist.

Mitunter wird behauptet, dass der Einsatz der Klarheit bewahrenden Techniken (z.B. des WILDs) zu einem häufigeren Auftreten der bewusst erlebten Schlafparalyse führe.
Hierbei erlebt ein Schlafender die Lähmung, die während jeder REM-Phase auftritt, bewusst. Normalerweise hat das Gehirn in diesem Schlafstadium die Verbindung zum schlafenden Körper schon abgebrochen, so dass es normalerweise Reibungslos verläuft.
Erlebt man dies jedoch bewusst und vor allem unvorbereitet, wird das Gefühl, sich nicht bewegen zu können, als äußerst bedrohlich, bis hin zur Todesangst erlebt.

Nicht repräsentative Umfragen im Klartraumforum legen die Vermutung nahe, dass auch hier eher das Gegenteil der Fall ist. Erstens nimmt das Wissen über die Schlafparalyse dem Erlebnis die Bedrohlichkeit und zweitens kann eine Vorfreude auf eine kommende Schlafparalyse als Zeichen für einen kommenden Klartraum ebendiese verhindern.

Auch die oft gestellte Frage, ob man denn als Klarträumer noch erholsamen Schlaf hat, kann ich sowohl aus eigener Erfahrung als auch aus der Klartraumliteratur (Celia Green, Träume bewusst steuern, S.214) mit Ja beantworten.


Mittwoch, 21. März 2012

Die Antwort auf 9gag 2 - Lucid Dreaming

Auf 9gag geistern zur Zeit einige recht unsägliche Bilder herum, der vor angeblichen Gefahren durch das Klarträumen warnen. Wer immer mit diesen Bildern angefangen hat, er hat es geschafft, was nichteinmal Inception geschafft hat: Die Anzahl der Suchanfragen zum Thema 'Lucid Dreaming' sind gerade fünfmal so hoch wie zu Inceptionzeiten.

Dabei besteht einige fast ausschließlich aus komplettem Bullshit.

Eines stammt von einen Typen, der nachts eine Schlafparalyse erlebt hat und während er dalag ohne sich bewegen zu können, die Präsenz irgendwelcher Wesen gespürt hat.

Mit dem bewussten Erleben der Schlafparalyse ist er nicht allein: Ca. 25% der von Sedaghat-Hamedani befragten Studenten gaben an, mindestens einmal im Leben eine Schlaflähmung bewusst mitbekommen zu haben.

Der Autor des besagten Posts recherchiert daraufhin weiter und kommt auf eine Seite, die über sogenannte Schattenleute informiert, irgendwelche nichtkörperliche Wesenheiten, die tatsächlich existieren sollen und nur darauf warten, dass jemand seinen Körper verlässt, damit sie diesen besetzen können. Und die gibt es natürlich wirklich.

Ja, nee, ist klar....
Das lässt sich jetzt so ohne Weiteres nicht widerlegen. Wenn jemand daran glauben will, dann will er eben daran glauben. Genauso wie man die Existenz des Pumukls nicht widerlegen kann. Oder dass Hitlers Nazis am Südpol leben und die Welt mit fliegenden Untertassen terrorisieren.

Wie gesagt, man kann es nicht widerlegen, aber dran glauben werde ich bestimmt nicht.
Wenn man die aktuelle Traumforschung und Klartraumforschung betrachtet, dann ist es wahrscheinlich, dass außerkörperliche Erfahrungen (OOBE oder OBE) genauso wie Träume oder Klarträume sich ausschließlich im Kopf des Träumers abspielen (vgl. Paul Tholey und Stephen LaBerge).

Ich finde das soweit plausibel.

Dass man beim Versuch, einen Klartraum oder eine OOBE zu erlangen, auch mal schlechte Erlebnisse haben kann, steht außer Frage. In manchen Fällen handelt es sich hierbei um eine Manifestation der eigenen Ängste oder eines schlechten Gewissens.
Der Träumer denkt, er würde etwas Gefährliches oder Unnatürliches tun und sofort bekommt er von seinem Unbewussten eine dementsprechende Szene serviert.
Jetzt kann er sich glücklich sagen: "Ich habe es doch gewusst. Das ganze Zeug mit dem Klarträumen ist doch gefährlich" und in der ganzen Welt herumposaunen, wie gruselig das doch alles war.

Ein weiteres Problem ist meiner Meinung nach, dass viele Leute diesen Mist jetzt gelesen haben und er noch so halbverdaut in ihren Köpfen herumspukt. Wahrscheinlich werden sich genau aus diesem Grund die Berichte von Leuten häufen, die von Schattenwesen oder Zombies geträumt haben, was wieder Leute als Beweis dafür sehen, dass an der ganzen Geschichte mit den Schattenwesen doch was dran ist.

Ich verwette ähnlich wie Tim Minchin mein Klavier darauf, dass absolut nichts dran ist.

Aber wie geht man nun mit gruseligen Erlebnissen während klarer Träume und der Schlafparalyse um? 

Ich nutze mal mein auch von ACTA nicht betroffenes Zitaterecht und zitiere aus Exploring the World of Lucid Dreaming von Stephen LaBerge Ph.D.:

S.21: The "Sleep paralysis" of REM sleep doesn't always turn off immediately upon awakening; this is why you may have experienced waking up and not being able to move for a minute.  Sleep paralysis can seem a terryfying experience, but actually it is quite harmless, and indeed, can even be useful for inducing lucid dreams.

S.108f: People typically struggle in a fruitles effort to move or to fully wake up. In fact, such emotional panic reactions are completely counterproductive; they are likely to stimulate the limbic areas of thre brain and cause the REM state to persist.
The fact is, sleep paralysis is harmless. Sometimes when it happens to you, you feel as if you are suffocating or in the presence of a nameless evil. But this is just the way your half-dreaming brain interprets these abnormal conditions: something terrible must be happening. [...]

The next time you experience sleep paralysis, simply remember to relax. Tell yourself that you are in the same state now as you are several hours every night during REM sleep. It will do you no harm and will pass in a few minutes.
Sollten gruselige Gestalten auftauchen, ist es auch in der hypnagogen Phase oder der Schlafparalyse möglich, einen Dialog zu beginnen. Paul Tholey gibt eine Anleitung:
Das Gespräch mit anderen Traumgestalten, das man als  innerseelischen Dialog bezeichnen kann, gehört zu den faszinierendsten Klartraumerlebnissen und ist zugleich das wirkungsvollste therapeutische Prinzip des Klarträumens; vor allem deshalb, weil es die höchste Stufe der Klarheit während des Träumens ermöglicht: die Klarheit über das, was der Traum symbolisiert. Manchmal führt bereits die einfache Frage „Wer bist du?“ dazu, daß sich die angesprochene Traumgestalt durch eine entsprechende Antwort zu erkennen gibt, wobei sich gleichzeitig ihr Äußeres wandeln kann. [...]

Im Gegensatz zu anderen Autoren und auch zu den Praktiken der malaysischen Senoi halte ich es für wichtig, daß man den Streit mit feindlich gesinnten Traumfiguren im offenen Gespräch zu schlichten versucht. [...]
Für etliche der von uns untersuchten Klarträumer war diese Erfahrung ein ausgesprochen hilfreiches Schlüsselerlebnis. [...]
Nach unseren Erfahrungen ist zu vermuten, daß man feindselige Traumgestalten immer ihrer Bedrohlichkeit berauben kann, wenn man ihnen in der beschriebenen Weise offen begegnet.
Viel Spaß und klare Träume....

Siehe auch:
Ist Klarträumen gefährlich? 
Was tun bei Schlafparalysen?

Samstag, 17. März 2012

Schritt 1 - Traumerinnerung verbessern - Teil 5

Patricia Garfield gibt in ihrem Buch Kreativ Träumen einige weitere interessante Tipps, um die Traumerinnerung zu steigern.

Sie schreibt, dass es für eine lebhafte Erinnerung an einen Traum wichtig sei, direkt aus einer REM-Phase oder ganz kurz danach zu erwachen. Verpasst man die REM-Phase um gerade einmal fünf Minuten, so kann die Traumerinnerung deutlich darunter leiden.

Das Gute ist aber, dass bei vielen Träumern allein der Vorsatz ausreicht, nach einer REM-Phase aufzuwachen. So kann man  mit etwas Übung mehrmals pro Nacht erwachen um die Träume zu notieren.

Einen zusätzlichen Schub bekommt die Traumerinnerung, wenn man sich angewöhnt, beim Aufwachen still liegen zu bleiben und die Augen geschlossen zu lassen. In dieser Postition kann man alle Erinnerungen an den Traum im Geiste nochmal durchgehen.
 Wenn keine neuen Informationen kommen, kann man die Position noch ein wenig verändern. Manchmal kommen hierbei noch einige weitere Details.
Diese Aufwachroutine kann man auch einige Male im Wachen üben (vgl. 40 Sleep Hacks). 

Hat man nur ein vages Gefühl, irgendetwas geträumt zu haben, so kann man ebenfalls eine Weile liegen bleiben und entspannt versuchen, sich an die nächtlichen Erlebnisse zu erinnern. Wenn nach zwei bis drei Minuten nichts kommt, kann man noch den Trick versuchen und an die engsten Freunde, Verwandte und Bekannten denken. Manchmal löst das noch eine Flut von Erinnerungen aus.


Was macht man aber, wenn man mitten in der Nacht aus einem lebhaften Traum erwacht und ihn am besten aufschreiben möchte, aber doch irgendwie zu faul ist?
Meistens habe ich das Pech, dass der Traum dann meistens zum nächsten Morgen futsch ist.
Etwas Abhilfe bringt dabei die Routentechnik aus dem Gedächtnistraining. Patricia Garfield hat aber noch eine coolere Technik entwickelt:
Man benötigt dafür lediglich einen Block, etwas kleiner als DIN-A-4, und einen Kugelschreiber.

Wenn man nun also in der Nacht aufwacht und sich kaum bewegt hat, den Traum im Geiste durchgegangen ist und ihn jetzt soweit parat hat, dass man ihn aufschreiben könnte, lässt man die Augen immer noch geschlossen.
Aber wie kann man mit geschlossenen Augen leserlich schreiben?

Dafür nimmt man den Block quer und nutzt die linke Hand am linken oberen Rand des Blocks als Markierung für die erste Zeile. Dort beginnt man zu schreiben. Damit man nicht in der Zeile verrutscht, verwendet man den kleinen Finger am oberen  Ende des Blocks als Führung.
Am Ende wandert man mit der Hand nach links zum Zeilenanfang und beginnt etwas tiefer mit der zweiten Zeile, wobei der kleine Finger wieder als Führung wirkt.
So verfährt man, bis die Seite voll ist und kann ggf. eine neue Seite oder die Rückseite weiter verwenden bis man das Gefühl hat, genügend Details aufgeschrieben zu haben, um am nächsten Tag den Traum wieder rekapitulieren zu können.
Die Führung mit dem kleinen Finger erklärt auch, warum man keinen größeren Block als DIN-A-5 verwenden kann:
Für mehr reicht der kleine Finger einfach nicht.
Ich habe das mal im Wachen ausprobiert: die Schrift bleibt durch diese Technik wirklich überraschend leserlich, auch bei größeren Blöcken, von denen man dann nur die obere Hälfte der Seite verwenden kann.