Mittwoch, 31. August 2011

Schritt 3: Der WILD - Teil 5

WILD-Variationen - Count yourself to sleep

Beim WILDen gibt es noch eine Möglichkeit, den Geist noch ein wenig wacher zu halten während der Körper einschläft. Alle aufgeführten Techniken können am besten wieder im WBTB durchgeführt werden.

Während des Einschlafens wird langsam gezählt oder man zählt etwas natürlich auftretendes wie den Atem. Nach jeder Zahl wiederholt man den Satz: 'Ich träume' oder 'Das ist ein Traum'.
Für manche ist das schon vollkommen ausreichend, um klar einzuschlafen. Ab einer gewissen Zeit automatisiert sich das zählen und wenn man genau an der Schwelle zum Traum die Klarheit verlieren sollte, macht einen die nächste Zahl und das darauf folgende 'Das ist ein Traum' wieder klar.

Etwas kompliziertere Zählvorgänge halten den Geist noch wacher.
Jetzt ist es Veranlagungssache, ob man zu den Menschen gehört, die, wenn sie einmal wach waren eher schlecht wieder einschlafen, oder ob man egal wann und wo gnadenlos einschläft. Ich persönlich gehöre zur zweiten Gruppe.
So kann man mit dem Zählen bei 200 anfangen und rückwärts bis zur eins zählen. Beim Einschlafen führt diese im Wachleben eher einfache Aufgabe zu lustigen Effekten.
Ebenso gibt es die Möglichkeit, um das Zählen nicht zu zu automatisieren, sondern einen konzentrierten, wachen Geist zu behalten ist die Abwandlung einer japanischen Meditation: Man zählt wieder beim Einschlafen seine Atemzüge, beginnt aber bei einer festgesetzten Zahl wieder von neuem. Um das aufrecht zu halten, muss man einiges mehr an Konzentration aufbringen als beim normalen Zählen. Es empfiehlt sich, alle paar Tage die Zahl zu wechseln, nach der man wieder von Vorne beginnt.

Wichtig ist, das Zählen nicht als Aufgabe oder Ziel zu betrachten, sondern einfach  den Geist beim Einschlafvorgang etwas beschäftigter zu halten.


Man kann den Satz 'Das ist ein Traum' auch noch mit einem Gefühl der Klarheit begleiten. Man erinnert sich an den letzten (Klar)-Traum und welches Gefühl man darin hatte. Das kann ein Körpergefühl sein oder eine Stimmung oder was auch immer. Nach jeder Zahl sagt man nicht nur den Satz 'Das ist ein Traum', sondern lässt das Gefühl, das alles ein Traum ist, ganz deutlich entstehen.

Montag, 29. August 2011

Schritt 3: Der WILD - Teil 4

Von den WILD-Techniken gibt es eine Vielzahl von Variationen und Ergänzungen.

Der HILD
Haggart's Induced Lucid Dream ist nach seinem Erfinder Haggart aus dem LD4All-Forum benannt, wobei die Bezeichnungen Hand Induced Lucid Dream oder 'die Pianotechnik' auch verwendet werden.
Hand- und Pianotechnik deshalb, weil man während des Einschlafvorgangs nicht still daliegt wie beim normalen WILD, sondern die Finger bewegt. Aber der Reihe nach:

1. Der erste Schritt ist wie bei den meisten WILD-Varianten das WBTB. Also man stellt sich den Wecker so, dass man zwischen 3 und 6 Stunden Schlaf bekommt. Bei dieser Technik bietet es sich an, etwas müder zu sein als bei den anderen Varianten, da die Bewegungen zusätzlich etwas wacher machen.

2. Nach einer kurzen Wachphase legt man sich wieder ins Bett. Am besten ist es, wenn man sich richtig müde fühlt, so dass man gut und schnell einschlafen kann.
Und jetzt kommt die Hand ins Spiel: man beginnt, mit den Fingern eine kleine, fast unmerkbare Bewegung durchzuführen, beispielsweise als spiele man Klavier, aber nur so gering, dass die Bewegung kaum wahrnehmbar ist. Diese Bewegung hält das Gehirn etwas wacher, aber nicht zu wach. Hier ist wieder etwas Erfahrung, Übung und Fingerspitzengefühl gefragt. Aber nach ein paar Versuchen hat man es drauf.
Diese Bewegung führt man ca. zehn bis 30 Sekunden lang durch, um danach einen Reality Check durchzuführen. Reality Checks waren ja Handlungen, die man im Wachleben nicht durchführen kann, aber die im Traum Ergebnisse liefern, die eindeutig auf einen Traum hindeuten. Der klassische RC ist es, durch die Nase zu atmen, obwohl man sie zuhält, was bei dieser Technik leicht von Nachteil ist, da man wieder etwas wacher wird. Das sollte sich aber nach einigen Versuchen auch einspielen, so dass die Bewegung mit dem Arm das Einschlafen kaum noch beeinträchtigt. Alternativen wären z.B. zu versuchen, mit geschlossenem Mund auszuatmen (Hamsterbacken) oder sich einfach nach oben schweben zu lassen.

Während des Klavierspielens braucht man auch nicht an irgendetwas zu denken oder zu visualiseren, es reicht einfach wie beim normalen Einschlafen dazuliegen.
Wenn der RC den Traum zeigt, kann man den Traum starten indem man aufsteht / losfliegt. Zur Stabilisierung des Traumes kann man bewusst etwas geistigen Input suchen: Händereiben, Sich schnell drehen, interessiert in der Gegend umschauen...
Ist man noch wach, so kann man noch etwas liegen bleiben, um müder zu werden und es dann  noch ein- oder zweimal versuchen.
Hat man keinen Erfolg, sollte man sich die Ruhe gönnen und einfach normal einschlafen. Verbissenheit bringt vor allem bei so subtilen Künsten wie dem Klarträumen recht wenig. Disziplin jedoch zahlt sich aus - mehrere Versuche sollte man sich schon geben.

Anmerkungen:
  • Manche Leute berichten von guten Erfolgen, wenn sie sich die Bewegung nur vorstellen, an statt sie tatsächlich auszuführen.
  • Nach dem erfolgreichen Übergang in die Traumwelt sollte man ruckartige Bewegungen am Anfang vermeiden, um nicht rausgekickt zu werden.


Eine sehr gute Beschreibung der Technik findet man unter:


http://www.klartraum-wiki.de/wiki/HILD

Exkurs: Polyphasing - Polyphasischer Schlaf Tag 4 bis Tag 5

Tag 4: Sonntag der 28.08.2011:
Heute ist vom Gefühl her der beste Tag seit langem, auch seit der monophasischen Zeit. In den Naps kommen die Träume langsam. Zwar kann ich immer nur ca. 2 Zeilen ins Traumtagebuch eintragen, aber es wird. Die Stimmung ist super, ein geerdetes, waches Fließen, die Laune ist super.

Tag 5: Montag, der 29.08.2011:
Oh Mann, heute hänge ich ganz schön in den Seilen. Ich bin im Kernschlaf in der Nacht mehrmals aufgewacht um festzustellen, dass ich erst 1,5 bzw. 3 Stunden geschlafen habe. Und so zog sich der Tag hin, während ich mich immer auf die Naps freute. Nach dem 12-Uhr-Nap ging es dann aber.
Warum habe ich in der Nacht auf Sonntag so gut geschlafen, konnte problemlos aufstehen und einen super Tag haben, während ich mich Montag morgens wie gerädert fühlte und die ganze polyphasische Idee verfluche?

Ich vermute, ich habe das 'Angst-vor-dem-Wecker'-Syndrom. Allein die Tatsache, dass ich am nächsten Tag aufstehen muss und möglicherweise mich rumwälzen könnte um dann müde auf die Arbeit zu gehen, im schlimmsten Fall den Wecker überhören könnte, lässt meinen Schlaf weniger tief und erholsam werden.
Das kann ja auch nicht im Sinne des Erfinders liegen?
Ich arbeite dran. :)

Sonntag, 28. August 2011

Exkurs: Polyphasing - Polyphasischer Schlaf Tag 1 bis Tag 3

An sich ist der polyphasische Schlaf echt super.
Mir geht es trotz Eingewöhnungszeit richtig gut, das liegt vielleicht daran, dass ich in der letzten Zeit ziemlich regelmäßig um 19:00 Uhr ein 20-minütiges Nickerchen gemacht habe.

Das Aufstehen nach den 4,5 Stunden Kernschlaf gelingt schon seit dem ersten Tag besser als nach den fast acht Stunden in den monophasigen Zeiten. Das Risiko der Snooze-Taste ist hier auch das Überschlafen, deshalb geht's sofort aus dem Bett.

Die Kunst bei den über den Tag verteilten Naps ist, den Wecker so zu stellen, dass man tatsächlich ca. 20 Minuten schlafen kann. Ich stelle den Timer meines Handys meistens auf 25 Minuten und hoffe, dass ich genügend Schlaf bekomme, was auch soweit klappt.

Im Moment warte ich noch auf die SO-REM-Effekte, also vom Wachen direkt in die REM-Phase einsteigen zu können und auf intensive Träume in den Naps. Die laufen bis jetzt recht traumfrei ab, aber mit sehr intensiven hypnagogen Bildern, die sich teilweise in traumartige Sequenzen entwickeln.
Steve Pavlina schrieb, dass er in den Naps auch immer recht intensiv geträumt hat, hier schreibt er über seinen ersten Kontakt mit dem polyphasischen Schlaf:
It was interesting to read some of the posts from people who’ve tried this sleep cycle. They reported higher alertness and energy, more vivid dreams and more lucid dreams, and of course lots of extra free time.
Das war für mich im ersten Versuch einer der Gründe, den Vielphasenschlaf sein zu lassen: Ich hatte Angst um die Träume und Klarträume bzw. machte mir sorgen, weniger Traumzeit zu bekommen.
Aber offensichtlich scheint das Gegenteil zu stimmen.

Wie dem auch sei: It's time for a nap...

Samstag, 27. August 2011

Exkurs: Polyphasing - Polyphasischer Schlaf

In letzter Zeit habe ich  irgendwie viel zu wenig Zeit für alles. Die Tage rasen so vorbei und sind gefüllt von Arbeitengehen und Verpflichtungen. Deswegen habe ich beschlossen, meinen Schlafrhythmus ein wenig umzustellen und das polyphasische Schlafen für mich auszuprobieren.

Der polyphasische Schlaf ist schon eine interessante Idee: Man teilt seinen gewöhnlichen Nachtschlaf von 8 Stunden in mehrere Phasen, meistens zwischen zwei und sechs auf und kommt in der Gesamtdauer auf deutlich unter acht Stunden, wie es beim normalen monophasischen Schlaf der Fall wäre.

Nachdem ich im Jahre 2008 einmal mit dieser Schlafmethode herumexperimentiert habe, habe ich sie ziemlich enttäuscht wieder ad acta gelegt. Allerdings lag das wohl an mir, ich habe einige Fehler dabei gemacht, zum Beispiel die einzelnen Phasen viel zu unregelmäßig durchgeführt und zu viel Kaffee dabei getrunken. Deshalb konnte ich dann in der nächsten Phase nicht mehr einschlafen usw.
Im Gegensatz zu jetzt fühlte ich mich damals richtig beschissen, wenn man das so formulieren darf.
Aber nach der Lektüre von Tim Ferris' Buch Der 4-Stunden-Körper  klang das so vielversprechend, dass ich beschlossen habe, dieser Schlafform nochmal eine Chance zu geben.

Wie funktioniert polyphasischer Schlaf?

Jede Nacht durchlebt der Schlafende mehrere Schlafphasen: den Tiefschlaf, den Leichtschlaf und den REM-Schlaf. Meistens bestehen 50% des Nachtschlafs aus Leichtschlaf und die restlichen 50% teilen sich auf in 20% Tiefschlaf und 30% REM-Schlaf. Die Zellregeneration findet hauptsächlich im Tiefschlaf, das Abspeichern von Erinnerungen hauptsächlich im REM-Schlaf statt.



Quelle: http://de.wikipedia.org/Schlafphase
Durch das Aufspalten dieser Schlafphase wird beginnt das Gehirn eine Optimierung des Schlafverhaltens und reduziert den Leichtschlaf in den einzelnen Phasen.
Bei zunehmender Reduzierung steht das Gehirn vor der Frage 'Tiefschlaf oder REM-Schlaf?' und entscheidet sich für den REM-Schlaf.

Die Methoden des polyphasischen Schlafs
Beim Polyphasischen Schlaf gibt es drei Zyklen: die Siesta-Methode, die Jedermann-Methode und die Ubermann- bzw. Übermensch-Methode (nochmal viele Grüße an Friedrich Nietzsche).
Die Siesta-Methode wird tatsächlich in vielen Kulturen angewandt, zum Beispiel wie der Name sagt, in Mexico. Die Zeit nach dem Mittagessen wird für ein kleines Nickerchen (auf Englisch 'Nap') verwendet. Nach einiger Zeit der Eingewöhnung wird das Nap im Traumschlaf verbracht und man kann dadurch den Kernschlaf in der Nacht um ca. zwei Stunden reduzieren.

Erhöht man die Anzahl der Naps auf zwei bis fünf, gelangt man in den Jedermann-Schlafzyklus. Jedes Schläfchen am Tage kann den Nachtschlaf um weitere 1,5 Stunden, also um genau eine Schlafphase, reduzieren. So hat der Jedermann Zyklus mit zwei Nickerchen noch 4,5 Stunden Kernschlaf, der Jedermann-Zyklus mit vier Nickerchen nur noch 1,5 Stunden Kernschlaf.
Ich mache sozusagen den Jedermann-Weicheier-Zyklus mit 4,5 Stunden Kernschlaf und 3 Naps. 

Geht man noch einen Schritt weiter auf sechs Naps, entfällt der Kernschlaf und man betreibt den Übermensch- oder Uberman-Zyklus. Alle vier Stunden schläft man für ca. 20 Minuten und kommt so auf eine Gesamtschlafdauer von zwei Stunden pro Tag.
 

Natürlich stellt sich die Frage: ist das überhaupt gesund? Darf man das Gehirn so austricksen, ohne dafür irgendwann einmal die Quittung zu bekommen? Betreibt man damit nicht Raubbau am Körper?

Ich muss ehrlich sagen, ich weiß es nicht. Zukünftige Studien werden vielleicht eindeutige Ergebnisse bringen, im Moment ist man noch auf anekdotische Berichte angewiesen. Steve Pavlina beispielsweise ging es in seinen fünf Monaten des polyphasischen Schlafes ausgezeichnet. Er hat diesen aus anderen Gründen als der Gesundheit wieder aufgegeben. Die ganze Geschichte kann man hier nachlesen. Ebenso sagt man von Thomas Edison und Leonardo da Vinci, dass diese durch polyphasische Naps ihre Gesamtschlafzeit sehr minimieren konnten.



Eine weitere Frage, die ich mir in meinem ersten Experiment oft anhören durfte ist: Träumt man da eigentlich noch?

Ja. Der Traumschlaf ist dem Gehirn wohl der wichtigste und deswegen bestehen nach einiger Eingewöhnungszeit die kürzeren Schlafphasen nur noch aus Traumschlaf.

Oder auch: Ist das überhaupt natürlich?

Schwer zu sagen. Über das Schlafverhalten der frühen Homiden ist im Gegensatz zu deren Ernährung wenig bekannt. Wahrscheinlich hat erst die Einführung des künstlichen Lichtes dieses Verhalten möglich gemacht. Vielleicht auch nicht.
Aber wenn wir nur das machen würden, was natürlich ist, dann könnte man von der Brille über den raffinierten Zucker über die monogame Lebensweise alles vergessen. Auch keine schöne Vorstellung.


Tips:
  • Keinen Kaffee trinken, aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass man sich auch ohne Kaffee richtig gut fühlt.
  • Man wird wunderbar wach, wenn man sofort nach dem Aufstehen mit Bildschirmarbeit beginnt, da das Schauen / Starren auf eine helle Fläche die Produktion von Melatonin hemmt. Funktioniert zumindest bei mir wunderbar.
  • Nicht zu lange schlafen, weil man sonst, vor allem in der Anfangszeit, wieder in den Mono-Zyklus zurückfällt. 
  • Kein Nap überspringen. In den Phasen mit viel Kernschlaf kann man die Naps noch recht frei verschieben, aber der Zyklus wird immer starrer, je näher man der Uberman-Methode kommt. Lässt man als Uberman ein Schläfchen aus, so ist das etwa so als würde man eine Nacht durchmachen und man braucht einige Zeit, bis man wieder auf Reihe ist.

Mittwoch, 24. August 2011

Exkurs: Spiegelneuronen und Vera Birkenbihl

Seit einiger Zeit geistert der Begriff 'Spiegelneuronen' häufiger durch mein Vokabular. Spiegelneuronen sind Neuronen, die feuern, wenn ein Mensch oder Primat eine Handlung durchführt, aber auch wenn er nur sieht, wie ein anderer diese Handlung durchführt. Sie dienen wohl unter anderem dem Lernen durch Imitation.

Die Spiegelneuronen wurden zuerst 1995 von Giaccomo Rizzolatti in Versuchen mit Makaken beobachtet.
Vera Birkenbihl gibt darüber, wie man die Funktionsweise der Spiegelneuronen im Alltag gut anwenden kann, in ihrem Buch 'Eltern-Nachhilfe einen guten Überblick. Sie definiert die Spiegelneuronen wie folgt:

Sie sind aktiv, wenn man:
  • Anderen zusieht, die eine bestimmte Handlung durchführen
  • Selbst eine bestimmte Handlung durchführt
  • Darüber nachdenkt, wie man eine bestimmte Handlung durchführt
  • An eine bestimmte Handlung erinnert wird
So hat diese Einrichtung der Natur sowohl Vor- als auch Nachteile.
Die Vorteile liegen klar auf der Hand: Wenn ich irgendeine Sache lernen möchte, z.B. Standardtanz, Martial Arts oder sonstiges, verbessert es meinen Trainingserfolg: Wenn ich Meistern ihres Fachs dabei zusehe, wie sie ihre Kunst ausüben, werde ich nach dieser Theorie auch besser. Dabei muss es sich nicht nur um äußere Tätigkeiten wie ein Handwerk oder eine Wissenschaft handeln, es kann ebenfalls um innere Künste wie die Meditation gehen.
Das könnte eine naturwissenschaftliche Erklärung des Erfolgs der Satsang-Bewegung sein, bei der man einfach Zeit mit einem 'Guru' oder Erleuchteten in einem Raum verbringt. Die Ausrichtung der Aufmerksamkeit auf den 'Guru' oder 'Erleuchteten' könnte bei den Teilnehmern ähnliche Hirnbereiche aktivieren.
Einen ähnlichen Effekt hat Franz Bardon in 'der Weg zum wahren Adepten' beschrieben. In etwa steht da: 'Durch die Verehrung des Meisters schwingt sich der Schüler auf dessen Frequenz ein'.
Subjektiv kann dieser Effekt so wahrgenommen werden.

Nebenbei erwähnt lernen Primaten, zu denen auch der Mensch gehört, auch die Sexualität durch Nachahmung.

Die Spiegelneuronen können aber auch zur Manipulation eingesetzt werden. Ich weiß ja nicht, wie es anderen geht, aber immer wenn ich im Fernsehen jemanden etwas essen sehe bzw. sah, z.B. in der Pizzawerbung bekomme ich riesigen Hunger und merke sogar, wie mein Speichelfluss zunimmt. Blöde Erfindung, aber meistens siegt meine Faulheit und ich renne nicht zum Backofen, um mir eine Pizza zu backen sondern warte einfach, bis das Gefühl verflogen ist.
Mittlerweile habe ich den Fernseher aus anderen Gründen ganz abgeschafft.

Möglicherweise wird dieser manipulative Effekt der Werbung durch die tranceerzeugende Wirkung des 'auf-einen-Punkt-Starrens' beim Fernsehen verstärkt und man wird offener für die subtilen Manipulationen. (vgl.: Das Birkenbihl Alpha-Buch)
Auch Lucidology empfiehlt, am Abend nicht mehr fern zu sehen, da dies das kritische Denken einschränkt.


Wieso schreibe ich das eigentlich?
Und was hat das mit den klaren Träumen zu tun?

In einem Forum ging es um folgende Diskussion: Ein sehr erfahrener Klarträumer berichtete von einem Bekannten, der sich eigentlich nie groß mit dem Thema befasst hat und auch noch befasst.
Dieser hatte aber in der Nacht nach einer längeren Diskussion mit ihm über das Thema einen Klartraum.
Ich vermute auch hier Spiegelneuronen dahinter. So könnte man beginnen, diesen Effekt zu nutzen, beispielsweise indem man sich mit erfahrenen Klarträumern trifft oder Videoaufzeichnungen ansieht, in denen sie von ihren Klarträumen berichten. Mittlerweile findet man auch einige Youtube-Channels von Klarträumern.

But now for something completely different:
In  'Das neue Stroh im Kopf' gibt es einen Artikel über mentales Training und Muskelaufbau. Hier wird eine Studie zitiert, in der hunderte von Knochenbruch-Patienten in zwei Gruppen aufgeteilt wurden. Die erste Gruppe bekam einfach den ganz normalen Gips, die zweite Gruppe, ebenfalls mit Gips, wurde aufgefordert, täglich ca. zehn Minuten im Geiste spazieren zu gehen.

Die Studien kamen zu drei Ergebnissen:
  1. Die Muskeln hatten sich viel weniger zurück gebildet als bei der Kontrollgruppe
  2. Der Heilungsprozess der Gruppe war ca. 2 Wochen voraus
  3. Die Bewegungsabläufe des Gehens hatten weniger gelitten als bei der Kontrolllgruppe.
Wow.

Noch abgefahrener wird es hier und hier.

Dienstag, 23. August 2011

Schritt 3: Der WILD - Teil 3

Im letzten Post ging es um die von Tholey beschriebenen Bildtechniken und Körpertechniken. Selbstverständlich kann man diese Techniken auch miteinander kombinieren und erhält so die

Bild-Körper-Technik.
Je nach Veranlagung liegt dem einen oder anderen Träumer vielleicht eher die Körper- oder die Bildtechnik. Die Kombination beider Techniken kann ebenfalls hilfreich sein, schneller in den Traumzustand zu gelangen.
Die Körperempfindungen können dafür genutzt werden, um ein Gefühl des Gleitens oder Schwebens in die Traumszenerie zu erzeugen. 

Bei manchen Leuten treten in der hypnagogen Phase vor allem Geräusche auf, die analog zu den hypnagogen Bildern erst ziemlich chaotisch beginnen und sich dann im Laufe der Zeit zu ganzen Liedern oder zu Stimmengewirr oder ähnlichem ausbilden. Natürlich kann auch dieser Sinn mit den vorherigen Techniken kombiniert werden.

Ich habe sogar von jemandem gehört, der in der hypnagogen Phase auch Geruchsempfindungen wahrnahm. So schreckte er immer wieder hoch, weil er meinte, Feuer und Rauch gerochen zu haben.
Kombiniert man alle Sinne zu einer Supertechnik, so erhält man die Bild-Körper-Geräusch-Geruchs-Technik.

Die Ichpunkt-Technik
 Die Ichpunkt-Technik geht ebenfalls über den Körper, ist aber quasi das Gegenteil der vorherigen Körpertechniken. In der hypnagogen Phase kann, anders als beim bewussten Erleben der Schlafparalyse in der Zwei-Körper-Technik, jedes Körpergefühl verschwinden und man existiert sozusagen nur noch als Punkt oder als punktförmiges Bewusstsein. 
Je mehr man bewusst wahrnimmt, wie das Körpergefühl im Zuge des Einschlafens schwindet und man sich darauf konzentriert, bald nur noch als Ich-Punkt zu existieren, um so leichter lässt sich dieses Gefühl verwirklichen.
Mit diesem Ichpunkt kann man ebenfalls durch den Raum schweben oder in die Traumwelt einsteigen, wo man sich entweder einen Körper zurückbesorgen kann oder den Traum ohne Körper weiterführen.
Diese Technik kann man wiederum mit den hypnagogen Bildern kombinieren und beispielsweise als Ichpunkt in die Traumszenerie einsteigen.

Der Herr der Träume
Diese Technik stammt aus dem Vigyan Bhairav Tantra und wurde mitte der 1970er Jahre von Osho Baghvan Shri Rajneesh bekannt gemacht und wurde u.A. im Buch 'Meditation - die erste und letzte Freiheit' beschrieben.
Es geht hier darum, sich beim Einschlafen zu entspannen und die Aufmerksamkeit auf einen Punkt zwischen den Augenbrauen zu richten. Auch hier gilt wieder, die Aufmerksamkeit entspannt ruhen zu lassen.
Jetzt soll man sich vorstellen, wie das Gefühl des ein- und ausströmenden Atems nicht nur an den Nasenflügeln oder der Oberlippe, sondern auch an diesem Punkt an der Stirn, zu spüren ist.
Mit einiger Übung, so sagt man, sei der Träumer in der Lage, bewusst in den Traum einzutreten.



Und sonst so?



Viele WILDerer machen meiner Meinung nach wohl zwei Fehler:
1.: man sollte den WILD als Anfänger in Kombination mit dem WBTB versuchen. Mit zunehmender Erfahrung kann man sich auch an den WILD am Abend machen, jedoch weiß ich nicht, ob man die erste Nachthälfte generell für den Tiefschlaf reservieren sollte, um dem Körper Gelegenheit zur Regeneration zu geben.

2.: mir scheint, dass einige Leute zu früh aufgeben und die Technik mit den Worten 'Klappt bei mir nicht' an den Nagel hängen. Ich persönlich finde die von Vera Birkenbihl erfundene Picasso-Methode für solche Zwecke am besten. "Üben sie etwas 30 Mal und dokumentieren sie den Erfolg. Dann schauen sie sich die Ergebnisse am Ende der 30 Tage an, erst dann dürfen sie sagen, dass sie für etwas kein Talent hätten."


Interessanterweise erhöht der WILD auch wenn man den bewussten Übergang verpassen sollte, die Chance auf Klarheit im folgenden Traum. So hat man zwar keinen WILD, aber immerhin einen DILD

Montag, 22. August 2011

Schritt 3: Der WILD - Teil 2

Im letzten Post wurde eine grundlegende Technik zum Erlangen des Klartraums mit der WILD-Technik beschrieben, die 'Bildtechnik'.
In der Literatur (vlg. Toley, LaBerge u.A.) werden weitere Techniken erwähnt, von denen ich die wichtigsten, bekanntesten und meistversprechenden aufführen möchte:

Die Körpertechniken
Tholey beschreibt in Schöpferisch Träumen zwei Körpertechniken, die sich ein wenig unterscheiden. Beiden gemeinsam ist, dass man während des Einschlafvorgangs auf den Körper ohne Anstrengung achtet. Zu verkrampfte Anstrengung und Konzentration ist zu vermeiden, statt dessen sollte man ein Gefühl des entspannten Beobachtens kultivieren.
Mit ein wenig Übung stellt sich dieses Gefühl der anstrengungslosen Achtsamkeit, ähnlich wie bei der WILD-Technik mit den hypnagogen Bildern, recht schnell ein.

Die Zweikörpertechnik:
Ruht die Aufmerksamkeit des Träumers nun entspannt auf dem Körper, so kann sich ein Gefühl einstellen, man habe einen zweiten Körper. Der erste Körper wird im Zuge des Einschlafens immer schwerer und es können durch die hypnagoge Phase lustige Phänomene auftreten. So kann das Gefühl, das Bett würde sich drehen auftreten, man kann eine Schaukelbewegung spüren oder ein Gefühl, man befinde sich in fahrenden einem Aufzug. Ich kann mich an eine Zeit erinnern, da war ich mir beim Einschlafen immer absolut sicher, meine Hand läge mit der Handfläche nach oben, beim Bewegen spürte ich aber, dass sie mit der Handfläche  nach unten lag.

Mit zunehmender Nähe zum Schlaf kann es sein, dass man spürt, wie der physische Körper immer schwerer und starrer wird während sich ein weiterer Körper bildet, der langsam nach oben schwebt oder durch das Bett hindurchsinkt.
Jetzt hat man es fast geschaft: Jetzt heißt es wieder, das Bewusstsein um den Traum aufrecht zu halten und zu genießen.

Das Starrwerden des Körpers , die sogenannte Schlafparalyse muss nicht zwingend erlebt werden. Wenige Träumer berichten davon, dass sie in der Schlafparalyse feststecken und sich nicht bewegen können.
 An sich ist dieser Zustand vollkommen harmlos, er passiert quasi jede Nacht vor jeder REM-Phase, um zu verhindern, dass man das ausführt, wovon man gerade träumt.
Unvorbereitet kann das etwas erschreckend wirken, es besteht aber kein Grund zur Sorge, spätestens der Wecker oder das Ende der REM-Phase wird diesen Zustand unterbrechen.

Die Ein-Körper-Technik:
Je nach Träumer kann es auch sein, dass das Erleben der der zwei Körper nicht gleichzeitig auftritt. So können die hypnagogen Körperempfindungen immer intensiver werden und sofort in ein geträumtes Ebenbild des Körpers münden.
Mit diesem kann man ebenfalls aufstehen, nach oben, unten oder zur Seite fliegen. Mit ein wenig Übung stellt sich ein Gefühl der Sicherheit ein, wann man jetzt genau beginnen kann, in das Erleben einzugreifen und wie man das macht, ohne den Traumzustand zu stören. Manche Träumer stehen wie gewohnt auf, andere wünschen sich einfach nach oben, unten oder zur Seite.

So weit, so gut für heute. Morgen geht es weiter mit weiteren WILD-Varianten.

FAQ:
F: Handelt es sich hierbei um eine Astralreise oder eine OOBE?
A: Es gibt eine Vielzahl von Büchern, die das Thema Astralreisen oder OOBEs zum Thema haben. Die WILD-Techniken, vor allem die Körpertechniken haben große Ähnlichkeit mit den in der grenzwissenschaftlichen Literatur beschriebenen. Letzten Endes bleibt es für jeden eine Glaubenssache, ob es einen vom physischen Körper unabhängigen Körper gibt oder nicht.
Dieses Thema ist wie alle Glaubenssachen ziemlich heiß und emotional aufgeladen, sowohl von der einen als auch von der anderen Seite. Verlässliche Studien liegen recht wenige vor, in den Lucidity Letters von Stephen LaBerge findet sich eine Studie, die zu keinem eindeutigen Ergebnis kommt.

Das Problem ist auch, dass man es nicht eindeutig widerlegen kann, so wie es an sich unmöglich ist, die Nichtexistenz des Pumukls zu beweisen. Ein eindeutiger Beweis bräuchte eine ausreichende Anzahl Versuchsteilnehmer, die die Außerkörperliche Erfahrung willentlich hervorrufen können und eine ziemlich penible statistische Analyse, die die Berichte auf Wahrheitsgehalt hin überprüft und mit Zufallstreffern abgleicht.

F: Ist gelegentlich auftretendes, schnelles Herzklopfen normal:
A: Das ist eine Begleiterscheinung der Entspannung und tritt bei Menschen mit niedrigem Blutdruck auf. Hier  findet man einige Informationen darüber.

F: Wenn ich kurz vor dem Übergang bin, schrecke ich plötzlich auf
A: Dieses Problem sollte sich nach einigen Tagen der Übung legen. Entspannungsübungen, Stretching usw. vor dem Einschlafen können das Problem lindern.

Samstag, 20. August 2011

Schritt 3: Der WILD - Teil 1

Waking Initiated Lucid Dream
WILD ist die Abkürzung für Waking Initiated Lucid Dream was in etwa 'aus dem Wachen heraus gestarteter Klartraum' bedeutet. Diese Herangehensweise bildet sozusagen das Gegenstück zum DILD, bei dem man  normal einschläft und versucht, die Klarheit aus dem Traum heraus zu erreichen. Beim WILD hingegen schläft man klar ein und startet direkt in den Traum.

Hierbei steht man vor der ersten Herausforderung: Normalerweise träumt man hauptsächlich in den REM-Phasen. Sehr fortgeschrittene Träumer können auch in anderen Schlafphasen träumen können. Als Anfänger kann man aber davon ausgehen Traum = REM-Phase.
Leider beginnt der Schlaf üblicherweise nicht mit einer REM-Phase sondern mit einer Tiefschlafphase, auf die eine Leichtschlafphase und erst dann eine REM-Phase folgt. Dieser Vorgang wiederholt sich jede Nacht ungefähr alle 90 Minuten. Das ist von der Natur ganz gut eingerichtet, denn so ist sichergestellt, dass der Mensch von jeder Schlafphase mindestens ein bisschen bekommt.

Um zu WILDen benötigt man den sogenannten SO-REM (= Sleep Onset Rapid Eye Movement), also ein REM-Schlaf, der direkt vom Wachen her gestartet wird. Dieser tritt normalerweise bei Menschen, die nicht an einer Schlafstörung leiden, nicht auf, außer wenn man dem Gehirn vorgaukelt, dass es zu wenig Schlaf bekäme. Scheinbar ist der REM-Schlaf für das Gehirn so wichtig, dass es viel dafür tut, den benötigten REM-Schlaf auf jeden Fall zu bekommen.

Eine Möglichkeit, dem Gehirn einen Schlafmangel vorzutäuschen ist das in früheren Postings bereits erwähnte WBTB. WBTB steht für 'Wake (up and go) back to bed'. Nach 4 bis 6 Stunden Schlaf steht man auf, und bleibt eine Zeit zwischen 10 Minuten und einer Stunde wach und legt sich danach wieder schlafen. Man sollte sich ausreichend müde fühlen, um wieder gut einschlafen zu können, jedoch wach genung, um bewusst in den Traum zu gleiten. Hier muss man ein wenig probieren.
Dem Gehirn fehlen für ein optimales Funktionieren noch eine bis zwei Schlafphasen. Das scheint dem Gehirn gar nicht zu gefallen und im Falle eines wiederholten Einschlafens wird man mit vermehrter REM-Aktivität oder sogar mit SO-REM belohnt.

In den Schlafkurven sieht man einen deutlichen Anstieg der REM-Aktivität nach einer Unterbrechung des Nachtschlafes (vgl. Timothy Ferriss - Der 4Stunden-Körper), wobei der Leichtschlaf wegrationalisiert wird.
Nach heutigem Stand der Forschung scheint der Leichtschlaf verhältnismäßig überflüssig zu sein und dient wohl eher der Energieeinsparung als der Regeneration oder dem Abspeichern von Wissen.

Nun könnte man annehmen, dass das Gehirn sich nur eine Zeit lang austricksen lässt und der Effekt des WBTB im Laufe der Zeit nachlässt. Der Erfahrung nach scheint das nicht der Fall zu sein. Unter anderem dadurch, dass man sich über das gesteigerte Traumerleben freut passt sich das Gehirn diesem Rhythmus an und man kann mit zunehmender Übung immer mehr mit den intensiven und klaren Träumen rechnen.

Steve Pavlina hat diesen Effekt mit dem Polyphasischen Schlaf auf die Spitze getrieben. Beim sogenannten Ubermann-Schlafzyklus teilt man den Nachtschlaf in sechs Nickerchen, sogenannte Naps von etwa 20 bis 30 Minuten, über den Tag auf. Diese bestehen dann nur noch aus REM-Schlaf und der ganze restliche Schlaf wird wegrationalisiert.
Nach einer Zeit von fünf Monaten kam Pavlina wieder vom Polyphasischen Schlaf ab und entschied sich wieder für einen normalen, monophasischen Schlaf.
Obwohl sein Gehirn Nacht um Nacht mittlerweile wieder acht Stunden Schlaf bekommt startet er abends immer noch mit einer REM-Phase und wacht nach 20 Minuten wieder auf und kann sich an einen sehr intensiven Traum erinnern.

Der Einstieg in die Traumphase

Hat man sich nun frühmorgens aus dem Bett bewegt, irgendetwas Sinnvolles gemacht und daraufhin wieder hingelegt, so geht es darum, das Wissen, dass all das, was gleich passieren wird, ein Traum sein wird, mit in den Schlaf zu nehmen.

Die hypnagogen Bilder:
Am einfachsten ist wohl der Übergang über die hypnagogen Bilder. Der Effekt der hypnagogen Bilder kommt vor, wenn das Bewusstsein sich auf dem Weg in den Schlaf befindet, man also nicht mehr ganz wach ist, aber auch noch nicht ganz schläft.
Normalerweise sieht man bei geschlossenen Augen, zumindest mir geht das so, bunte flackernde Punkte. Das nennt man das ideoretinale Leuchten und das hat etwas von den weißen Punkten bei einem alten Fernseher, bei dem kein Kanal eingestellt ist.

Mit zunehmender Nähe zum Schlaf beginnen sich diese zu erst sinnlosen Lichtpunkte zu einfachen geometrischen Mustern zu verbinden bis hin zu einfachen Gegenständen.
Diese Bilder gilt es nun entspannt zu beobachten ohne einzugreifen. Das erfordert vielleicht einige Übung aber nach schon recht kurzer Zeit hat man den Kniff raus, diese Bilder zu beobachten und einfach fließen zu lassen.
Der Versuch, die Bilder willentlich zu verstärken, zerreißt sie meistens, trotzdem muss die Aufmerksamkeit auf den Bildern bleiben, um sie zu intensivieren. Das ganze hat etwas von dem Versuch, eine Seifenblase durch einen Hindernisparcours zu treiben. Aber wie gesagt, hat man den Kniff erst einmal raus, so geht es ziemlich leicht.

Mit der Zeit des Beobachtens intensivieren sich die Bilder von einfachen Formen bis zu detaillierten Bildern auf dem schwarzen Hintergrund der Augen bis hin zu Personen und zum Schluss zu dreidimensionalen Szenen. Jetzt ist etwas Fingerspitzengefühl gefragt, jetzt steht man kurz vor dem Übergang in den Traum.
Wichtig ist, das Wissen, dass das ein Traum ist, auch mitzunehmen, das ist wie das Durchschreiten eines Tors.

Wenn es juckt und spannt
Manche Anfänger berichten darüber, dass es sie beim WILDen sobald sie sich hingelegt haben, immer mal wieder juckt.
Das tritt häufig bei den ersten Versuchen auf, wenn man nicht daran gewöhnt ist, bei wenig Außenreizen bei Bewusstsein zu bleiben. Dem Drang, sich zu kratzen kann man nachgeben und da weitermachen, wo man gerade aufgehört hat.

Wer wegen Verspannungen im Nacken (z.B. wegen eines Computerarbeitsplatzes) schlecht auf dem Rücken liegen kann, ohne dass die Schultern weh tun, kann ein flaches Kopfkissen unterlegen. Jedoch nicht unter den Kopf, sondern etwas tiefer, oberhalb des Bauchnabels bis etwas über die Schulterblätter. Damit streckt man den Rücken in die andere Richtung als bei der Schreibtischarbeit.
Mir tut es recht gut, aber ich weiß nicht, was ein ausgebildeter Physiotherapeut dazu sagen würde.
Ich hafte jedenfalls nicht für Rückenschmerzen.

Und jetzt: Viel Spaß im Traum.

Auch bei dieser Technik sollte man sich Zeit geben und dran bleiben. Manche schaffen es schneller, einen stabilen Übergang hinzubekommen, andere brauchen etwas mehr Übung. Ich würde hier zwischen zwanzig und dreißig dokumentierten Versuchen raten.

Interessanterweise sind mir persönlich die hypnagogen Bilder zum ersten mal nach dem Film 'The Cell' aufgefallen, in dem die Hauptperson (Jennifer Lopez) über eine Schnittstelle in das Gehirn eines Killers eindringt, wo sie äußerst surreale Bilder zu sehen bekommt. Die Nacht danach sah ich diese Bilder auch, leider habe ich das nur noch einige Nächte verfolgt und mich dann aber nicht weiter darum gekümmert.

Angeblich sollen die Surrealisten die hypnagogen Bilder als Inspiration genommen haben. Das Bild mit den zerfließenden Uhren von Salvador Dalì soll von einer hypnagogen Szene inspiriert sein.

Als letzter Tipp von Tholey sei noch erwähnt, sich am besten eine Handlung vorzunehmen, die man im Traum auszuführen, um die Gefahr des Eintrübens beim Übergang zu verhindern.

Weitere Techniken und Variationen kommen im nächsten Post.

Weiterführende Links:
http://www.lucidity.com/NL63.RU.Naps.html

Dienstag, 16. August 2011

Schritt 2: DILD - Dream Initiated Lucid Dreams - Teil 2

Der Dream-Initiated-Lucid-Dream, Teil 2

Reality Checks, Fortsetzung
Bei den Reality Checks gibt es mehrere Ansätze und Herangehensweisen:
Am einfachsten ist es, die Überprüfung, in welcher Realität (Wachrealität oder Traumrealität) man sich gerade befindet, zur Gewohnheit werden zu lassen und zu automatisieren.
Beispielsweise kann man sich alle Stunde einmal fragen, in welcher Realität man sich befindet. Das läuft dann so ab:
Man erinnert sich daran, dass gerade wieder einmal Zeit für einen Reality Check ist. Die besten Ergebnisse habe ich, wenn ich den Nasen-RC (Atmen bei zugehaltener Nase) und den Finger-RC (Zählen der Finger) hintereinander anwende.
Durch diese Gewohnheit kommt man auf ca. 16 RCs täglich.
Für manche Träumer reicht es schon aus, diesen Automatismus mit in die Träume zu nehmen und sich an luziden Abenteuern zu erfreuen.
Ich kann mich an einige Fälle erinnern, in denen ich mir dachte: "Ach ja, mal wieder Zeit für einen RC..." und vollkommen überrascht war, dass ich doch träume.

Einen Schritt weiter geht man mit der Katalogisierung der Traumzeichen.
Da man als Klarträumer wahrscheinlich sowieso seine Träume auf irgendeine Weise festhält, sei es auf Tonband, handschriftlich oder am Computer, bieten sich verschiedene Methoden an, die Traumzeichen mit wenig Extraaufwand ebenso zu katalogisieren.
Die Traumzeichen sind wie im letzten Post geschrieben, die Situationen, Personen oder Gegenstände, an denen man bei wachem Bewusstsein den Traum als solches erkennen kann.

Am einfachsten geht das mit den kostenlosen Traumtagebuch-Programmen wie Darked Diary, Dream Diary, Dream Journal oder Alchera Suite. In diesen Programmen gibt es die Möglichkeit, Traumberichte ähnlich wie Blogpostings zu taggen und die Tags nach Häufigkeit anzuzeigen.
Verwendet man keine digitale Aufzeichnung, so kann man auch gut Karteikarten verwenden oder man katalogisiert nur die Traumzeichen in einem Tabellenkalulationsprogramm seiner Wahl.

Die am häufigsten auftretenden Traumzeichen prägt man sich ein und nimmt sich vor, von diesen an einen RC erinnert zu werden. Ein typisches Traumzeichen ist beispielsweise das Fliegen, andere träumen häufig von bestimmten Personen, die sie im Wachleben eigentlich nicht treffen können.

Lange bevor ich vom Klarträumen gehört habe und vor meinem ersten spontanen Klartraum hatte ich einen häufig wiederkehrenden Traum. Mir fiel mehrere Male ein Zahn aus (das schlechte Gewissen eines Kindes, das die Zähne zu wenig pflegt). Jedes mal erwachte ich schweißgebadet und freute mich: "Nur ein Traum... Alle Zähne noch drin"
Eines Tages saß ich im Bett und mir fiel ein Zahn aus, den ich mir in die Hand spuckte. "Oh nein!" dachte ich, "Jetzt habe ich schon so oft davon geträumt, dass mir ein Zahn ausfällt.... Jetzt ist es wirklich passiert... Ach wäre das doch nur ein Traum!"

Ein kleiner Schritt weiter und es hätte ein schöner Abend oder besser gesagt eine schöne Nacht werden können... 

Das kritische Bewusstsein oder: die Hääähh?-Erlebnisse
Man kann sich ebenso angewöhnen, bei jeder Situation, die einem irgendwie eigenartig erscheint, einen RC zu machen. Jedesmal, wenn irgendetwas irgendwie ungewöhnlich erscheint: RC!
Zusätzlich kann man sich noch angewöhnen, viel mehr Situationen merkwürdig zu finden und so auf mehr RCs täglich zu kommen.

Mit zunehmender Übung und Klartraumerfahrung, so berichtet Paul Tholey, automatisiert sich das kritische Bewusstsein soweit, dass man den Traum an sich einfach erkennt.
Die neuronale Autobahn, dass alles um einen herum geträumt ist, hat sich soweit etabliert, dass das Klarwerden kein Problem mehr darstellt. Zum Glück ist das Gehirn ja plastisch, so dass häufige Gedanken und Handlungen immer dickere neuronale Vernetzungen bekommen.


Ein Aspekt, der das Klarwerden verhindert ist die Angewohnheit, die RCs mit dem Gedanken 'Das wird doch eh nix' auszuführen. Deswegen sollte man jedesmal aufs neue eine zuversichtliche Haltung an den Tag legen.

Reize von außen

Ein Versuch, den ich immer mal machen wollte ist das Tragen einer Vibrationsuhr, die stündlich über ein Vibrationssignal an das Durchführen eines RCs erinnert wie zum Beispiel die Vibralite 8. Leider ist die dermaßen hässlich, dass man sie besser nicht am Handgelenk trägt.
Wer schlank ist kriegt sie ganz gut um den Knöchel, vielleicht ist durch die gesteigerte Nachfrage und dem technischen Fortschritt auch ein besseres und schöneres Modell auf dem Markt.

Nun ist der Trick, die Uhr nachts nicht abzumachen, sondern sie die Nacht über dran zu lassen und sobald irgend etwas Vibrierendes im Traum auftaucht einen RC durchzuführen.
Stephen LaBerge schreibt in 'Exploring the World of Lucid Dreaming', dass Vibrationsreize von den äußeren Reizen am besten in den Traum mit eingewebt werden. So kann die Vibration am Fuß sich im Traum zu einem Erdbeben verwandeln oder ähnliches.

Der Novadreamer und andere Geräte:
Stephen LaBerge selbst war an der Erfindung des Novadreamers beteiligt, einem elektrischen Gerät, dass über Sensoren die REM-Phasen erkennt. Die ganze Elektrik ist so klein, dass sie in einer Schlafbrille verbaut werden kann und über LEDs vor den Augen und einem kleinen Summer den Traum signalisiert.
Die externen Reize können dann in den Traum eingebaut werden und können sich dann im Traum in vorbeifahrende Autos mit Blaulicht oder auf- und abblendende Autos verwandeln.
Der Novadreamer wurde wohl vom preislich günstigeren Zeo Personal Sleep Coach eingeholt. Dieser arbeitet über ein Ein-Kanal-EEG und kann über eine offene Schnittstelle und kostenlosen Programmen wie 'ZeoLab' recht frei programmiert werden.
ZeoLab bietet beispielsweise eine Funktion namens 'REM-Trigger' an. Nach einer frei einstellbaren Zeit, die man im REM-Zustand verbringt, wird ein akustisches Signal ausgegeben.


Fosar und Bludorf schreiben in 'Spektrum der Nacht' von einer weiteren Methode, indem sie alle 90 Minuten (der Dauer der REM-Phase) ein Band abspielen ließen, dass die Nachricht 'asDas ist ein Traum - Du träumst gerade' enthielt.
Das lässt sich über Audacity und den Winamp ziemlich einfach realisieren. 

Leider habe ich mit beiden Varianten noch nicht gearbeitet und kann noch nichts über die Wirksamkeit aussagen.

Schritt 2: DILD - Dream Initiated Lucid Dreams - Teil 1

Unter einem DILD versteht man einen Klartraum, der aus einem Traum heraus beginnt: Man träumt eine Zeit lang normal trüb, bis es zu einem klaren Moment kommt.
Das kann ein besonderes Ereignis sein, das einen verdutzt über die Realität der eben erlebten Situation nachdenken lässt oder eine beängstigende Situation, in der man alle Möglichkeiten untersucht, dieser zu entkommen und nur die Konsequenz üblich bleibt, dass man träumen muss.
Die meisten spontanen Klarträume beginnen so.

Geht man einen Schritt weiter, so gewöhnt man sich bewusst an, permanent die Umgebung nach traumtypischen Situationen abzusuchen, was auch kritisches Bewusstsein genannt wird.
So kann man Personen und deren Verhalten, Situationen und Gegenstände gewohnheitsmäßig hinterfragen. In Träumen passiert es häufig, dass man plötzlich wieder zur Schule geht oder sich an Orten befindet, an denen man schon lange nicht mehr gewesen ist oder die irgendwie nicht in den Zusammenhang passen.
Einmal traf ich einen früheren Schulkameraden und eine weitere Person, von der mir der Mitschüler vor längerer Zeit erzählte, dass sie gestorben sei. Ich herrschte ihn an: "Was erzählst du mir denn für einen Schwachsinn? Er sei tot, hier steht er doch!" Der Schulkamerad schaut mich irgendwie merkwürdig düster an und antwortet vielsagend: "Überprüfe doch mal, ob du träumst!"....

Geht man das Thema DILD ernst an, so dauert es durchschnittlich 21 Tage, bis sich eine Gewohnheit im kritischen Bewusstsein einstellt und man dieses mit in die Träume nimmt (eine gute Traumerinnerung vorausgesetzt...). Will man versuchen, über diesen Weg einen Klartraum zu bekommen, sollte man sich am besten 42 Tage Zeit geben und vorher sich keinesfalls unter Druck setzten, sondern kontinuierlich einfach weiterüben.

Noch ein Schritt weiter gehen die sogenannten Reality Checks oder kurz RCs:
Durch die Erfahrung vorheriger Klarträumer haben sich verschiedene Handlungen herauskristallisiert, die im Traum deutlich andere Ergebnisse liefern als im Wachleben. So kann man eine eigenartige Situation dezent überprüfen oder es sich zur Gewohnheit werden lassen, diese regelmäßig (z.B. stündlich) durchzuführen.

Der Nasen-RC
So kann man im Traum beispielsweise gut durch die Nase atmen, die man sich vorher zugehalten hat. Dieser RC gilt als der zuverlässigste und auch als einer der unauffälligsten.
Gelegentlich baut man die Fähigkeit zu atmen in den Traum mit ein und denkt, man hat die Nase einfach nicht richtig zugehalten. Hier gilt es aufzumerken: Sehr wahrscheinlich ist es ein Traum. Zur Sicherheit kann man einen anderen RC durchführen, um ganz sicher zu sein.

Der Finger-RC
Immer wieder lustig ist es, die Finger im Traum zu zählen. Bei mir ist es so, dass ich zähle und zähle und nie beim Daumen ankomme, bei anderen sehen die Hände aus wie Babyhände oder andere Details fehlen, vielleicht ein Ring oder der Nagellack. Hier gilt es auch wieder: sobald etwas merkwürdig erscheint sofort die Möglichkeit des Träumens ins Auge fassen.

Der Uhren-RC / Lese-RC
Geschriebenes wie Wörter, Sätze oder Zahlen verhalten sich ebenfalls sehr eigenwillg in Träumen.
Digitaluhren zeigen unmögliche Sonderzeichen oder gespiegelte Ziffern an. Oder man schaut auf die Uhr und entdeckt eine Uhrzeit wie 55 Uhr 92, wohingegen Analoguhren sich normal oder zumindest unauffälliger verhalten.

Schilder und kurze Sätze verändern sich meistens, wenn man kurz wegkuckt und nach einer Weile das wieder liest. Man muss nur kurz den Inhalt im Kopf behalten, nochmals lesen und die Informationen vergleichen.

Hin und wieder kommt es auch vor, dass man im Traum ein ganzes Buch oder einen Artikel anfängt zu lesen. Sätze, die offensichtlich keinen Sinn ergeben oder nach dem Lesen verschwinden sind eindeutige Traumsignale.

So gibt es noch weitere RCs, jedoch sind diese für den Anfänger vollkommen ausreichend. Manche Träumer entwickeln im Laufe ihres Lebens weitere Reality Checks basierend auf ihren eigenen Traumzeichen.

Samstag, 13. August 2011

Spontane Klarträume

Spontan auftretende Klarträume, also Klarträume ohne Training, einfach so sind gar nicht mal so selten. Je nach Umfrage variieren die Anzahl der Leute, die jemals einen Klartraum hatten, zwischen 8 und 82 %.

Manche Menschen träumen seid ihrer Kindheit klar und sich dann ganz verwundert, wenn man sie auf die Seltenheit dieser 'Gabe' anspricht, andere brauchen nur einmal zu hören, dass es ein Phänomen wie das Klarträumen gibt und schon haben sie in der darauffolgenden Nacht einen.

Natürliche Klarträumer, also Leute, die regelmäßig und ohne Training regelmäßig klarträumen, habe ich jetzt drei kennengelernt. In meinem Bekanntenkreis gibt es gibt sicherlich noch mehr solcher Naturtalente, aber man fragt ja nicht jeden Menschen, den man kennenlernt, ob er weiß, dass er träumt, wenn er träumt.
Obwohl... sollte man vielleicht mal anfangen.

Bei anderer Gelegenheit habe ich einem Arbeitskollegen von meinen Versuchen und Erfolgen berichtet, im Traum klar zu werden. Er nahm das mit Interesse zur Kenntnis, hat sich aber nicht weiter damit beschäftigt.
In der darauf folgenden Nacht hatte er dann einen Klartraum ohne etwas dafür tun zu müssen.

Mir ist es ohne Training und ohne dass ich explizit vom Klarträumen gewusst hätte dreimal in neun Jahren passiert.
Das erste mal war ich ca. 16 Jahre alt und hatte mich im Zuge des Esoterikbooms der späten Neunziger mit Meditation befasst. (Damals war Esoterik noch nicht so ein Schimpfwort wie heute :) )
Und so begann ich auch meine Träume aufzuschreiben und hatte folgenden Traum:

Ich befinde mich in der Kirche meiner Geburtsstadt. Da ich mit Kirche nie groß etwas am Hut hatte, überlegte ich, wie ich die Zeit bis zum Ende am besten überbrücken könne. Auf einmal wusste ich, dass ich träume.
Voller Begeisterung stand ich auf und überlegte mir, was ich machen könne. Aber es muss schnell gehen, bevor ich erwache. Ich laufe zu einem Mann, der ganz andächtig in der Bank sitzt, packe ihm am Kragen und schreie ihn an: "Das ist ein Traum, du musst aufwachen!" Er ignoriert mich und ich gehe zur nächsten Person, packe sie ebenfalls am Kragen und versuche ihr klar zu machen, dass wir gerade träumen. Auch die dritte Person reagiert nicht, also gehe ich weiter und wache auf dem Weg nach draußen auf.

Dieses Erlebnis hat mich schon ziemlich begeistert und ich hätte es gerne noch häufiger gehabt. Leider hatte ich damals keine Ahnung, wie ich das Erlebnis hätte wiederholen können.
Ein Jahr später hatte ich wieder eine sehr kurze klare Episode.

Ich stand in einer recht kargen Herbstlandschaft. Vor mir lag eine weite Fläche mit vertrocknetem Gras und karger Erde. Auch hier wusste ich plötzlich, dass ich träume. Wie aus dem nichts kam die Erkenntnis, dass ich träume.
Sofort rief ich aus: "Unbewusstes, zeige mir meine größten Ängste!" und starrte zum Horizont. Und es passierte gar nichts.
Der Horizont veränderte sich nicht, nirgends kam etwas Angst machendes hervor.
Kurze Zeit später wachte ich auf.

Das Mittel für dieses Problem lautet Stabilisierungstechniken: Der Traum bleibt stabiler, wenn man für eine konstanten Strom von Sinneseindrücken sorgt. Z.B. indem man seine Hände aneinander reibt oder sich schnell im Kreis dreht.

Dienstag, 9. August 2011

Schritt 1 - Traumerinnerung verbessern

Der erste Schritt zum Klarträumer ist die Steigerung der Traumerinnerung.  Durch einige leichte Schritte lässt sich die Traumerinnerung bedeutend steigern.
  1. Führen eines Traumtagebuchs
Das wohl effektivste Mittel zur Steigerung der Traumerinnerung ist das Führen eines Traumtagebuchs, in das man am besten sofort nach dem Aufwachen alle seine Träume einträgt.
Hierfür eignen sich einfache Kladden aus dem Schreibwarenhandel oder für den Anfang ein einfacher Kollegeblock. Im Laufe der Zeit wird einiges an erinnerten Träumen zusammenkommen, weshalb man vielleicht sogar einen Heftordner anlegen kann, in den man die Notizen aus der Nacht einheftet.

Für denjenigen, der die digitale Aufzeichnung bevorzugt, gibt es verschiedene Traumtagebuch-Software, mit denen der Nutzer die Träume hinsichtlich Länge und Klarheit analysieren kann. Die bekanntesten Traumtagebuch-Softwaren sind Dream Diary und Traumpalast.

Alternativ gibt es noch die Möglichkeit, die Träume auf Tonband aufzunehmen, sei es um sie so zu archivieren oder um sie später in Ruhe abzuschreiben oder zu tippen. Das hat den Vorteil, dass man kein Licht anmachen muss aber den Nachteil, dass man allein im Zimmer schlafen muss, weil man sonst seinen Partner weckt.

Das Schreiben mit der Hand hat im Vergleich zum Abtippen den Vorteil, dass sich mit der Hand geschriebenes deutlich besser einprägt als mit dem Computer geschriebenes.

Oft fragen eher schreibfaule Leute: "Ist ein Traumtagebuch wirklich so wichtig?"
Ich denke: JA!
Es ist  die effektivste Methode, die Traumerinnerung zu steigern. Meiner Erfahrung nach wirkt das Traumtagebuch in zwei Richtungen: Die Traumerinnerung wird verbessert, aber es bringt auch Bewusstsein in die Träume. Wenn man schon eine so gute Traumerinnerung hat, dass man sich täglich an einen oder zwei Träume erinnert, kann man auch so mit den Klartraumtechniken loslegen.
Ich finde es jedoch interessant für später, die interessantesten Träume festzuhalten.
Vor dem Einschlafen in seinem eigenen oder in fremden Traumtagebüchern zu lesen, kann ebenso förderlich für die Traumerinnerung sein.

Nochmal einen kleinen Schub bekommt die Traumerinnerung, wenn man sich fest vornimmt, nach jeder Traumphase aufzuwachen und die Träume zu notieren. Kurioserweise bekommt man dadurch ja weniger Schlaf, was vermuten lassen würde, dass man sich am nächsten Tag müder fühlen würde. Dieser Effekt wird aber dadurch kompensiert, dass durch die geistige Anstrengung die darauf folgende REM-Phase weiter intensiviert wird, so dass die Schlafqualität steigt. (und man sich an noch mehr Träume erinnert)

Zusätzlich zum Aufschreiben kann man die Traumerinnerung noch mit verschiedenen Mnemotechniken, wie z.B. der Routenmethode kombinieren.

2. WBTB

WBTB bedeutet, wie schon an anderer Stelle geschrieben, Wake (up, then go) Back To Bed.
Timothy Ferris schreibt in 'Der 4-Stunden-Körper' über seine Versuche mit dem Zeo Personal Sleep Coach, dass ein Unterbrechen des Nachtschlafs nach vier bis fünf Stunden für einige Minuten das Verhältnis von REM-Schlaf zu anderen Schlafphasen erhöht. Ein höherer REM-Anteil führt zu intensiveren und vor allem längeren Träumen.
Nachdem er eine Zeit lang aufgezeichnet hat, wie er sich morgens nach dem Aufstehen fühlte, kam er auf das Ergebnis, dass nicht in erster Linie die Schlafdauer aussschlaggebend für seine Morgenmüdigkeit war, sondern das Verhältnis von REM- zu Nicht-REM-Schlaf. Was heißt: Trotz weniger Schlaf durch das WBTB fühlt man sich am Morgen ausgeruhter.
Wer sowieso nachts zur Toilette muss, kann die Gelegenheit nutzen und noch einige Minuten dran hängen, um richtig wach zu werden. Mit etwas Gewöhnung schläft man danach gut wieder ein.

2a. REM-Fine-Tuning:
Das Lernen von Neuem führt zu intensiveren und längeren REM-Phasen. So scheint hinsichtlich des Klarträumens das Lernen im WBTB optimal zu sein.

Eine Tasse Salbeitee wirkt REM-fördernd, da Stoffe im Salbei den Abbau des Neurotransmitters Acetylcholin hemmen.

3. Ausschlafen oder Überschlafen

Die traumreichen REM-Phasen werden mit zunehmender Schlafdauer länger, während der Anteil an Tiefschlaf geringer wird.
Bei Übermüdung oder Schlafdefizit werden die erinnerten Träume geringer und weniger plastisch.

4. Entspannungsübungen vor dem Einschlafen

Hierfür eignen sich ganz klassische Entspannungstechniken wie die Progressive Muskelentspannung (PMR) oder das Autogene Training (AT) wie auch Yoga, Mantrameditationen oder Tibetische Visualisierungsübungen.

Ebenfalls förderlich soll die Wechselatmung aus dem Pranayama sein. Anekdotische Berichte legen eine Wirksamkeit nahe, jedoch muss es wohl jeder für sich ausprobieren.

5. REM-Rebound

In der ersten Nachthälfte dominiert der Tiefschlaf, während in der zweiten Nachthälfte der REM-Schlaf dominiert. Der Trick des REM-Rebound ist es, den Tiefschlaf in der ersten Nachthälfte zu intensivieren um in der zweiten Nachthälfte längere und intensivere REM-Phasen zu bekommen.

Das kann auf verschiedene Weise geschehen, z.B. indem man die Melatoninausschüttung vor dem Schlafengehen mit Sport ankurbelt oder eine orangerote Sonnenbrille ca. eine Stunde vor dem Zubettgehen aufsetzt. Klingt komisch, aber durch das Fehlen des Blauanteils im Licht wird vermehrt Melatonin ausgeschüttet.

Das Essen von kohlehydrathaltigen Lebensmitteln vor dem Schlafengehen (und vor dem Zähneputzen) lässt vermehrt Tryptophan die Blut-Hirn-Schranke durchdringen. Tryptophan ist eine Aminosäure, aus der über Serotonin wiederum Melatonin hergestellt wird. Deswegen bekommt man nach sehr süßem Essen auch erstmal einen Glückskick und wird dann müde (vgl. Strunz).
Ferriss empfiehlt vor dem Schlafengehen zwei Esslöffel Mandelmus, einige Stangen Selerie und einige Esslöffel Leinsamenöl. Diese Kombination scheint Traumtechnisch durchaus interessant zu sein. Mandeln enthalten recht viel Melatonin, ca. 39 ng/g, während das Leinöl viele Omega-3-Fettsäuren enthält. Die lassen sich aber über Kapseln aus dem Drogeriemarkt deutlich angenehmer einnehmen.  
Diese Wirkung lässt sich durch die Kombination mit tryptophanhaltigen Lebensmitteln (Bananen, Quark) noch weiter steigern.

7. Gesunde Lebensweise

Mangelerscheinungen von manchen Nährstoffen, z.B. Magnesium oder Calcium, können zu einer eingeschränkten Vitalität und reduzierten Traumerinnerung führen. So kann man eine Nahrung reich an B-Vitaminen, essentiellen Fettsäuren und Cholin ausprobieren.
Bei chronischer Müdigkeit und Traummangel kann es sinnvoll sein, ein großes Blutbild machen zu lassen und auf eventuelle Mangelerscheinungen prüfen zu lassen.


Weiter geht's mit Teil 2


Der 4-Stunden-Körper, Timothy Ferriss
The Biology of Dreaming, Ernest Hartmann, M.D. 1967
Frohmedizin, Dr. Ulrich Strunz.
http://www.klartraum-wiki.de/wiki/Traumerinnerung
Autogenic Training and Dream Recall


Freitag, 5. August 2011

Lucid Dreaming - Shock your Mom!

Vor einiger Zeit gab es mal diese lustigen Poster mit der Aufschrift: "Shock your Mom - Drink Milk!" oder "Shock your Mom - Read a Book!". Ähnlich schockierende Erlebnisse werden wohl die Eltern eines beginnenden Klarträumers haben:
Es handelt sich hierbei um Tips und Anregungen, die bei mir und anderen funktioniert haben, die aber keinesfalls als Dogma oder ähnliches anzusehen sind.

1. Schock your Mom - Read a Book!
Wie schon geschrieben besteht meiner Meinung nach die beste Möglichkeit, das Klarträumen zu lernen, darin, ein Buch darüber zu lesen und die darin beschriebenen Übungen zu machen.
Mein absoluter Favorit für Anfänger ist 'Schöpferisch Träumen' von Paul Tholey. Den einzigen Kritikpunkt finde ich die manchmal etwas überhebliche Schreibe des Autors und den etwas eigentümlichen Buchuntertitel. Aber wer darüber hinwegliest, kann aus dem Buch viel Nützliches ziehen.

'Exploring the World of Lucid dreaming' von Stephen LaBerge finde ich vom Schreibstil und Informationsgehalt sogar fast noch besser, jedoch wird das Prinzip des Klarträumens nicht ganz so mundgerecht wie bei Tholey serviert, finde ich. Ein weiterer Vorteil und gleichzeitig Nachteil ist die unheimlich hohe Informations- und Übungendichte. Man wird mit Anregungen, Übungen und Techniken geradezu überschüttet.
Mittlerweile ist es auf Deutsch unter dem Titel Luzides Träumen: Die Kunst Des Luziden Träumens im Buchhandel erhältlich. Wie wohl jedes gute Buch hat es auch beim zweiten und dritten Lesen noch einige Informationen und Überraschungen parat.

Charlie Morleys Buch Dreams of Awakening: Lucid Dreaming And Mindfulness Of Dream And Sleep ist ebenfalls sehr lesenswert. Dieser Titel ist momentan nur auf Englisch erhältlich.

Natürlich gibt es auf dem Markt noch sehr viel mehr gute Bücher zum Thema, die teilweise auch aus unterschiedlichen Blickwinkeln sich dem Thema nähern.

Das tibetische Traumyoga ist in den buddhistischen Kontext eingebettet und hat als zentralen Aspekt den Umgang mit Träumen und Klarträumen. Das wohl bekannteste Buch im deutschsprachigen Raum hierzu ist wohl 'Übung der Nacht - Tibetische Meditationen in Schlaf und Traum' von Tenzin Wangyal Rinpoche.

Sowohl in einigen Qi-Gong-Büchern und Büchern zu taoistischen Meditationen finden sich Hinweise auf Klarträume wie auch in Werken mit kabbalistischem, tantrischen (z.B. Osho) oder auch schamanischem (Castaneda - Die Kunst des Träumens) Hintergrund. Es würde den Rahmen hier sprengen, diese alle aufzuzählen.

Mit welchem Buch man am besten arbeiten kann muss wohl jeder für sich selbst entscheiden. Ich persönlich arbeite im Moment mit tibetischem Traumyoga, aber das wechselt immer mal wieder.

2. Shock your Mom - Drink Tea!
Matcha, ein besonderer Grüntee, enthält in ausreichender Konzentration die Aminosäure L-Theanin, durch die im Gehirn die Alphawellen-Aktivität erhöht wird. Schon nach einer Tasse Matcha spürt man eine wohlige Entspannung, als würde man sich auf einer Wolke ausruhen.
Den Tee trinkt man am besten am frühen Morgen nach vier bis sechs Stunden Schlaf. Nach dem Tee legt man sich wieder hin und genießt die Träume, die zum Ende der Nacht länger und intensiver werden und durch die Inhaltsstoffe im Tee nochmal intensiviert werden.
Mehr Matcha heißt nicht zwingend mehr Klarträume.
In irgendeinem Übereifer habe ich einmal fast eine halbe Dose Matcha zubereitet und die daraus resultierenden 1 1/2 Liter Tee am Abend getrunken.
Alles, was ich davon hatte war eine schlaflose Nacht in irgendeinem Dämmerzustand und die schlimmsten Verdauungsprobleme ever...
Deswegen sollte man darauf achten, normal zu dosieren. 

Ebenso eignen sich in der zweiten Nachthälfte eine oder zwei Tassen Salbeitee. Auf Grund des Thujongehaltes sollte der Tee nicht übermäßig getrunken werden.
Salbei enthält einen Stoff, der den Abbau des Neurotransmitters Acetylcholin hemmt, was zu mehr REM-Schlaf führt. Ebenso kann man auch Rosmarin verwenden.

3. Shock your Mom - Go to Bed early!
Ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, dass Klarträume oder bedeutsame und intensive Träume in Phasen auftreten, in denen ich guten und ausreichend Schlaf bekomme. Das ist, wenn ich eine halbe Stunde eher ins Bett gehe als ich müde werde.  Einen Versuch ist es wert...

4. Schock your Mom - Study for School!
Das Lernen erhöht die Konzentration des Neurotransmitters Acetylcholin, Dopamin und Noradrenalin im Gehirn. (Vgl. Joseph Zehentbauer - Körpereigene Drogen) Und genau diese Transmitter spielen eine wichtige Rolle beim luziden Träumen. Im Wikipedia-Artikel über den Schlaf wird eine Studie zitiert, die besagt dass bei Ratten, die vor dem Schlaf gelernt haben, die REM-Phase um 25% verlängert waren. Das ist schon ordentlich...
So kann man das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden und entweder vor dem Schlafengehen oder in einer Unterbrechung des Nachtschlafes nach 4-6 Stunden (Wake (up, then go) back to bed = WBTB) Vokabeln oder sonstiges lernen.
Bei Vokabeln eignet sich besonders gut die Schlüsselwortmethode, da diese stark auf Visualisierung setzt, die die Ausschüttung der bereits erwähnten Neurotransmitter nochmal verstärkt. (vgl. Zehentbauer)

5. Shock your Mom - Reduce Smoking, Drinking and MJ!
Man soll ja nicht gleich zum fundamentalistischen Gesundheitsapostel werden, aber es gibt so ein paar Sachen, die sind beim Klarträumen oder beim Träumen insgesamt hinderlich.

Tabak: So sagt man den Zigaretten nach, sie würden verschiedene Rezeptoren im Gehirn (die nicotinischen) abstumpfen und somit Klarträume unwahrscheinlicher machen. Aber um ganz ehrlich zu sein: Als ich das Rauchen aufgehört habe (mit 'Endlich Nichtraucher' von Allen Carr), blieb die erhoffte Klartraumflut aus. Ich habe die Entscheidung trotzdem nicht bereut.

Alkohol: Zwar kann ein gelegentliches Glas Bier oder auch zwei durch den sogenannten REM-Rebound-Effekt zu intensiveren Träumen führen, aber regelmäßiger Alkoholgenuss (z.B. mehrmals wöchentlich) raubt dem Körper sowohl REM-Schlaf als auch den Tiefschlaf. So lange der Alkohol im Körper verbleibt, was je nach Dosis ziemlich lange sein kann, treten diese Schlafphasen weniger auf. Nach dem kompletten Abbau versucht der Körper, den verpassten Traumschlaf nachzuholen und es kommt zu einer intensiveren REM-Phase, die aber nur auftritt, wenn man auch lange genug schlafen kann.

Marijuana ist eigentlich als der Traumkiller schlechthin bekannt. Wahrscheinlich ist es nichts Neues, dass bei regelmäßigem Genuss von Cannabisprodukten die Träume ausbleiben bzw. schlechter erinnert werden und bei Abstinenz binnen kurzer Zeit die Träume zurückkehren.

Trotz alledem sind die Klarträumer keine fundamentalistische Straight-Edge-Sekte sondern ebenso lebensbejahende und ebenso Party machende Leute wie wohl die meisten anderen auch, wobei es 'den Klarträumer' gar nicht gibt. Die Community ist eine sehr heterogene Gruppe unterschiedlichster Leute.
So wird wohl jeder den Lebensstil finden, der am besten zu ihm passt.

Vielleicht konnte der Post ja die eine oder andere Anregung geben.
Quellen
http://de.wikipedia.org/wiki/Schlaf
http://de.wikipedia.org/wiki/Schl%C3%BCsselwortmethode

Zehentbauer, Josef Dr. - Körpereigene Drogen

Dienstag, 2. August 2011

Die sieben Merkmale der Luzidität nach Tholey

Wie im vorigen Post beschrieben bedarf es nach Paul Tholey mindestens der ersten vier der im Folgenden aufgeführten sieben Kriterien, um einen Traum zum Klartraum werden zu lassen. Träume, die weniger der Kriterien erfüllen nennt man präluzid. Aber auch in präluziden Träumen kann man viel Spaß und Erkenntnis haben.

Die Merkmale der Luzidität / Klarheit
  1. Der Träumer ist sich darüber im Klaren, dass er träumt.
  2. Der Träumer ist sich über seine Entscheidungsfreiheit im Klaren.
  3. Das Bewusstsein ist klar, es gibt keine traumtypische Verwirrung oder Bewusstseinstrübungen.
  4. Die Wahrnehmung der fünf Sinne ist wie im Wachzustand.
  5. Es besteht Klarheit über das Wachleben, also darüber, wer man ist oder was man sich für den Klartraum vorgenommen hat.
  6. Nach dem Traum gibt es eine klare Erinnerung.
  7. Der Träumer ist sich über den Sinn des Traums im Klaren.

Der Träumer ist sich darüber im Klaren, dass er träumt.
Das ist das wichtigste Merkmal des Klartraums. Einige Träumer kommen auch ohne Training hin und wieder in diesen Zustand, dass sie beispielsweise in einem Albtraum den Traum als solches erkennen und darüber beruhigt sind, dann aber doch die Handlung von eben wie gewohnt fortsetzen. Hier fehlt nur noch ein Quäntchen Klarheit und aus dem trüben, oder besser gesagt präluziden, Abenteuer wird ein wunderbarer Klartraum.

Der Träumer ist sich über seine Entscheidungsfreiheit im Klaren.
Hier wird die Sache noch spannender: Wenn all meine Umgebung um mich herum geträumt ist, warum nicht selbst etwas Hand anlegen? Ich kann mich im Traum frei entscheiden, wie ich mich verhalte.
Eine Reise zum lang ersehnten Urlaubsziel, ein Date mit der Traumfrau, ein Treffen mit einem spirituellen Lehrer, all das ist nur einen Gedanken entfernt.
Zusammengefasst nennt man das Traumkontrolle.
Wobei mit zunehmender Erfahrung im luziden Träumen gerät der Wunsch, den Traum zu kontrollieren und zu beeinflussen zunehmend in den Hintergrund und es entsteht ein gesteigertes Interesse, der Handlung einfach zu folgen und sich überraschen zu lassen, was noch passieren mag. Man weiß zwar, dass man diese Freiheit hat, entscheidet sich aber aus freien Stücken dagegen, sie zu nutzen.
Ken Wilber nennt diesen Zustand pelluzides Träumen.

Das Bewusstsein ist klar, es gibt keine traumtypische Verwirrung oder Bewusstseinstrübungen.
Im normalen Trübtraum ist der präfrontale Kortex im Gehirn in seiner Aktivität eingeschränkt.
Dieser Teil des Gehirns ist dafür da, bereits Bekanntes mit dem gerade Erlebten zu vergleichen. Grob lässt sich sagen: je aktiver er ist, um so klarer der Traum, um so weniger ist das logische Denken vermindert.
Nicht jedoch im Klartraum.

Die Wahrnehmung der fünf Sinne ist wie im Wachzustand.
So wie im normalen Traum auch.
Durch die Diskussion, dass Träume in schwarz/weiß seien kam Paul Tholey erst zum Klarträumen. Zwar kann man sich am nächsten Tag an die farbenfrohe Umwelt im Traum zurückerinnern, aber man hat keine Erfahrung aus erster Hand. Es fehlt die Möglichkeit, direkte Untersuchungen anzustellen.
So kam Tholey auf die Idee, sich mehrmals täglich zu fragen und ernsthaft zu überprüfen, ob er sich gerade in einem Traum befände. Nach einiger Zeit der Eingewöhnung automatisierte sich diese Gewohnheit und er nahm sie mit in die Träume. Der erste Klartraum auf akademischer Ebene war geboren!

Es besteht Klarheit über das Wachleben, also darüber, wer man ist oder was man sich für den Klartraum vorgenommen hat.


Nach dem Traum gibt es eine klare Erinnerung.
Wäre ja schade, wenn nicht. Es kommt aber manchmal vor, dass man Klarträume vergisst oder erst später am Tag die Erinnerung kommt, dass man ja in der Nacht einen Klartraum hatte.


Der Träumer ist sich über den Sinn des Traums im Klaren.
Dieses Kriterium kommt wohl aus der klassischen Traumdeutung und gehört wie erwähnt zu den Kann-Kriterien.
Möchte man die Luzidträume für persönliches Wachstum oder gegen Alpträume einsetzen, bietet es sich an, Traumfiguren oder Szenen nach ihrer Bedeutung zu fragen. Je nach Situation ergeben sich interessante Einsichten und bedeutungsvolle Erlebnisse.
Tholey beschreibt in 'Schöpferisch Träumen' einen Klartraum, der ihm zugesandt wurde, in dem die Person vor einem übermächtigen Verfolger fliehen musste. Irgendwann erkannte sie den Traum, blieb stehen und stellte sich dem Verfolger, um ihn zur Rede zu stellen. Auf die Frage 'Wer bist du?' und 'Was willst du von mir' wurde die Figur ganz nachdenklich und antwortete: 'Das musst du wissen. Du hast mich doch bestellt... Für deine Angst.'

Quellen:
Tholey, Paul: Schöpferisch Träumen
Yuschak, Thomas: Breaking down the wall, Onlineaufsatz

Montag, 1. August 2011

Der Klartraum - Luzidität

Viel ist in letzter Zeit über klare oder luzide Träume, geschrieben worden. Foren, Blogs und kommerzielle Homepages schießen wie Pilze aus dem Boden, viele Anbieter des Brainwave-Entrainments bieten Tonträger an, die helfen sollen, diesen Zustand zu erreichen. Gibt man 'Lucid Dream' bei Google Trends ein, zeigt sich ein deutlicher Peak Ende 2010: Inception.

Was genau macht denn einen Klartraum oder luziden Traum aus?

Das Wort "Klartraum" wurde vom Professor für Psychologie Paul Tholey geprägt, der u. a. an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt und der technischen Universität Braunschweig lehrte.
Er verwendete 'Klartraum' in Anlehnung an das ältere Wort 'Lucid Dream', das der Psychotherapeut und Traumforscher Frederick van Eeden (1860 - 1932) verwendete.

Was wird denn im Klartraum klar?
Klar wird mir, dass ich mich in einem Traum befinde. In einem lichten oder klaren Moment (lucid moment) erkenne ich den Traum als solches, wie Saito in der Teppichszene in Inception.
In dieser wird Saito (Ken Watanabe) auf den Boden gestoßen und fühlt den Teppich unter seinem Gesicht, wo er einen Fehler in der Realität entdeckt: Er stellt fest, dass der Teppich in seinem tatsächlichen Arbeitszimmer aus einem anderen Material besteht und es sich somit um einen weiteren Traum handeln muss. Er ist klar geworden.

Wenn man einen Traum als solches erkennt, so steht einem ein Universum mit fast unbegrenzten Möglichkeiten offen. Und das Tolle ist: Jeder kann es lernen!
Wichtig ist, sich gut in das Thema einzulesen. Mit dem Kauf des Buches 'Schöpferisch Träumen' von Paul Tholey macht man nichts falsch, Aber man findet alle wichtigen Informationen im Netz. Gute Anlaufpunkte sind z.B. das Wikibook "Klartraum", das Klartraumforum oder das Klartraum-Wiki.

Verschiedene Stadien der Klarheit
Jeder Klartraum unterscheidet sich hinsichtlich der Klarheit des Geistes, der Handlungsfreiheit und der Plastizität und wahrscheinlich tausend weiteren Eigenschaften, die man ihm geben möchte. So wie es unmöglich ist, zweimal den selben Fluss hinabzugehen, ist es fast unmöglich zweimal den selben Traum zu träumen.

Damit man einen Traum als Klartraum bezeichnen kann, gibt es laut Paul Tholey sieben Kriterien, von denen die ersten vier erfüllt sein müssen, die letzten drei sind lediglich Kann-Kriterien:
  1. Der Träumer ist sich darüber im Klaren, dass er träumt.
  2. Der Träumer ist sich über seine Entscheidungsfreiheit im Klaren.
  3. Das Bewusstsein ist klar, es gibt keine traumtypische Verwirrung oder Bewusstseinstrübungen.
  4. Die Wahrnehmung der fünf Sinne ist wie im Wachzustand.
  5. Es besteht Klarheit über das Wachleben, also darüber, wer man ist oder was man sich für den Klartraum vorgenommen hat.
  6. Nach dem Traum gibt es eine klare Erinnerung.
  7. Der Träumer ist sich über den Sinn des Traums im Klaren.
Soweit ist ja alles klar?
Jetzt geht es nur noch darum, die klaren Träume regelmäßig zu bekommen.

Für alle Skeptiker, die daran zweifeln, dass Klarträume wissenschaftlich nachgewiesen wären und Wikipedia nicht trauen: Einfach mal in der PubMed nachschlagen... Wissenschaftlicher geht nicht.

Quellen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Tholey
http://de.wikipedia.org/wiki/Frederik_van_Eeden
http://www.lucidity.com/vanEeden.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Klartraum

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